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Jakobsweg

Jakobsweg durch die Pfalz neu markiert

“Silberne Muschel auf blauem Grund” führt Pilger auf Wanderwegen von Speyer nach Hornbach

Auf den Spuren des Apostels Jakobus wandern die Pilger seit mehr als tausend Jahren und ihr Ziel heiß Santiago de Compostela, die Stadt des hl. Jakob vom Sternenfeld im äußersten Nordwesten Spaniens. Gerade in unserer Zeit erfahren der hl. Jakobus und die Wanderungen auf dem Jakobusweg eine Renaissance. Verschiedene Routen führen durch Mitteleuropa über Frankreich nach Santiago de Compostela. Durch die Pfalz verliefen einst zwei Routen der Jakobswege, Historiker haben diese rekonstruiert und in Zusammenarbeit mit dem Pfälzerwald –Verein wurde die nördliche Route über 120 Kilometer von Speyer nach Hornbach weitgehend auf bestehenden Wanderwegen mit dem Jakobszeichen, der "silbernen Muschel auf blauem Grund” markiert. Eine provisorische Trassenführung von Worms nach Speyer ermöglicht eine Verbindung zwischen dem rheinhessischen und dem pfälzischen Jakobsweg. In einer Feierstunde im Friedrich-Spee-Haus in Speyer wurde jetzt der Markierung des pfälzischen Jakobsweges gedacht.

Auf den Spuren des Jakobskultes
Den Festvortrag hielt Prof. Dr. Klaus Herbers von der Universität Erlangen zum Thema “Deutsche Pilgerfahrten nach Santiago des Compostela – Spuren des Jakobskultes in Deutschland”. Er wies auf, daß bereits im 7. und 8. Jahrhundert Reisende und Pilger aus Deutschland auf verschiedenen Wegen unterwegs waren, um auf den Spuren Jakobus zu wandeln und um “Hilfe in der Not und Lohn für die Mühen des Weges” zu erhalten. Besonders durch den Bodenseeraum führten Wege, die an den 44n. Chr. enthaupteten Apostel erinnern. Seit dem 11. Jahrhundert seien in Deutschland Kirchen und Altären nach Jakobus benannt worden. Förderer des Jakobuskultes im deutschen Sprachraum seien die Staufer gewesen, sagte der Professor, der seine Aussagen mit Bildern untermalte. Wichtige Termine seien durch die Staufer auf den 25. Juli, den Todestag des Apostels, gelegt worden und auch Karl der Große sei ein besonderer Verehrer des Apostels gewesen.
Aus dem 15. Jahrhundert stammt der älteste erhaltene Führer, der für die Pilger eine hilfreiche Wegbeschreibung darstellte und in fünf Auflagen erschienen war. In dieser Zeit entstand auch das bekannte Pilgerlied, die Pilgerzahlen nach Santiago des Compostela nahmen ständig zu, teilweise wurden Pilgerfahrten auch als Strafe durchgeführt.
Man reiste im Mittelalter in kleinen Gruppen, wußte Prof. Dr. Herbers, einer der besten Kenner des Jakobuskultes, zu berichten und einen damalige Reisegruppe war zu Pferd ca. 14 Wochen nach Nordspanien unterwegs. Die Pilger mußten sich vielen Gefahren aussetzen, manche erreichten ihr Ziel gar nicht. Es erforderte in verschiedenen Landschaften mehrfachen Münztausch und der Beweis, daß die Pilgerfahrt ans Ziel führte, war der Erwerb der Pilgermuschel, die am Hut, am Umhang oder an der Tasche getragen wurde. Der Jakobuskult nahm auch Einzug in das künstlerische Schaffen, denn Jakobus-Darstellungen sind seit dem 6. Jahrhundert nachgewiesen. Nach der Reformation reduzierte sich der Jakobuskult, es fanden nur noch wenige Pilgerfahrten statt, um so erfreulicher sei es, daß jetzt der pfälzische Jakobsweg markiert worden sei und Professor Herbers gratulierte dazu.

Pilgergedanke blüht auf
Archivdirektor Dr. Hans Ammerich nannte es einen “glücklichen Gedanken” als Bischof Dr. Anton Schlembach die Anregung gegeben habe, auch für den Raum des Bistums Speyer einen Jakobusweg offiziell auszuweisen. Er habe den Pfälzerwald-Verein für seine Idee gewinnen können, der die Ausführung der Markierung übernommen habe. Gerade in der heutigen Zeit, in der das Bewußtsein des Glaubens und der Pilgergedanke immer stärker auflebe, würden durch die Wegeverbindungen die Wallfahrtsorte näher zusammenrücken. Dies sei auch im Zusammenwachsen Europas zu sehen. Dank der Wegewarte des Pfälzerwald-Vereins habe diese Verbindung über 120 Kilometer von Speyer nach Hornbach geschaffen werden können.

Drei Jahre Vorbereitungszeit
Rainer Rund, Vorsitzender des Pfälzerwald-Vereins, erinnerte sich, daß ihn vor drei Jahren – damals noch in seiner Eigenschaft als Regierungspräsident – Bischof Dr. Schlembach angerufen habe, um ihm von der Idee eines pfälzischen Jakobusweges zu berichten. So habe er damals nicht nur den Bischof über Gesetze, Verordnungen und Erlasse informieren können, sondern auch über die Tatsache, daß der Pfälzerwald-Verein laut Gesetz die Markierungsbefugnis in der Pfalz besitzt. Die Wegewarte des Pfälzerwald-Vereins hätten die Markierungsarbeit übernommen, einige Lücken im Wegenetz seien zu schließen gewesen. Weitgehend sei die Strecke auf bestehenden Hauptwanderwegen geführt worden unter historischer Begleitung von Archivdirektor Dr. Ammerich. Jetzt sei zu wünschen, daß der Weg in Richtig Osten an weitere Jakobuswege angebunden werde, so nach Saargemünd und weiter nach Metz, sagte der PWV-Vorsitzende.
Der Pfälzerwald-Verein habe aus drei Gründen “Ja” zur Markierung gesagt. Die abendländische und europäische Geschichte werde durch den Jakobusweg lebendig, der Weg eröffne Blicke auf Kunst, Kultur und Architektur und er erfülle die Aufgabe des Handels und des Tourismus.
In der Pfalz habe man sich bei zwei möglichen Routen für die nördliche Variante entschieden, sagte der PWV-Vorsitzende, weil auf dieser Trasse angenehmer zu gehen sei. Er hoffe, daß der Weg angenommen werde. Ein Faltblatt biete eine Streckenbeschreibung, doch die genaue Wegeführung sei einem halben Dutzend Wanderkarten im Maßstab 1:25 000 zu entnehmen. Die Markierung “silberne Muschel auf blauem Grund” sei weitgehend im Abstand von 500 Metern angebracht und Rainer Rund hoffe, daß die angebrachten Zeichen nicht Opfer von “Souvenirjägern” werden.

Hommage an die Jakobus-Pilger
“Jetzt hat die Pfalz auch ihren Jakobusweg” sagte Diözesebischof Dr. Anton Schlembach in einem Grußwort. In der würdigen Feierstunde sei die Hommage an die Pfalz, an den Pfälzerwald, an den Pfälzerwald-Verein und an die Jakobus-Pilger zum Ausdruck gekommen. Durch den neuen Weg würden Tradition und Aktualität miteinander verbunden, auch werde ein ökumenisches Zeichen gesetzt. Der Weg beginne am Dom in Speyer und ende beim Kloster Hornbach am Grab des Hl. Pirminus, über dem die prot. Landeskirche eine Gedenkstätte errichtet habe.
Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde durch Monika und Christoph Keggenhoff und der Schola Cantorum Salensis mit uralten, mittelalterlichen Liedern.

Durch das Gäu und das Elmsteiner Tal
Der pfälzische Jakobusweg verläuft durch das Gäu über Geinsheim nach Kirrweiler, ehemaliger Residenzort der Speyerer Fürstbischöfe und von dort nach Hambach, dessen katholische Pfarrkirche dem Apostel Jakob d. Ä. geweiht ist. Auf der Strecke “blaugelb” führt der Weg weiter nach Lambrecht mit dem ehemaligen Kloster zu Ehren des hl. Lambertus von Maastricht. Entlang der Markierung “gelbes Kreuz” führt der Jakobsweg durch das Elmsteiner Tal, vorbei an der Turmruine der ehemaligen Wallfahrtskirche Appenthal zum Johanniskreuz. Von hier aus folgt der Weg dem “Roten Kreuz” durch das Reichsland um Kaiserslautern nach Landstuhl. Über Bruchmühlbach erreichen die Wanderer Zweibrücken und Hornbach als Ziel des pfälzischen Jakobsweges.
Es gibt auc ein Buch über den “Pfälzer Jakobsweg”, welches für 7 Euro zzgl. Porto bem PWV bestellt werden kann.

Kartenecke
Topographische Karte 1:25.000 mit Wander- und Radwanderwegen “Waldmohr, Schönenberg-Kübelberg, Bruchmühlbach-Miesau”, 3. Auflage 2001

Das Landesvermessungsamt Rheinland-Pfalz in Koblenz hat in enger Zusammenarbeit mit dem Pfälzerwald-Verein die Topographische Karte 1:25.000 mit Wander- und Radwanderwegen “Waldmohr, Schönenberg-Kübelberg, Bruchmühlbach-Miesau” grundlegend überarbeitet und in der 3. Auflage neu herausgegeben. Eine Verkehrsübersicht auf dem neu gestalteten Kartentitel zeigt die Lage der Karte im Westpfalz-Bereich.
Die Karte kann beim Pfälzerwald-Verein bezogen werden. Der Preis je Karte beträgt € 6,10 einschließlich Mehrwertsteuer, zzgl. Porto/Versand.