Wandern Elmstein

Elmsteiner Tal - Im Esthaler Wald
Wandervorschlag von Karl Heinz Himmler

Streckenlänge: ca. 11 km
Steigungen: ca. 240 m
Kartenempfehlung: Topographische Karte 1:25 000 Lambrecht-Elmstein und Umgebung

Eigentlich hat die auf einer Hochfläche des Pfälzerwalds gelegene 1550 Einwohner zählende Fremdenverkehrsgemeinde Esthal gar keinen eigenen Waldbesitz. Histroisch aber gibt es den Esthaler Wald sehr wohl. Er wurde laut Pfalzatlas schon vor 1602 von der gräflich leiningischen Unteren Frankenweide abgetrennt und dem weit älteren Lehen Erfenstein zugeteilt. So kommt es, daß Burg und Siedlung Erfenstein im Elmsteiner Tal und das eine Stunde Fußweg entfernte Dorf Esthal nach wie vor eine gemeinsame kommunale Verwaltungseinheit bilden. Nach häufigem Besitzerwechsel war der Esthale rWald zur Zeit der französischen Hoheit im Besitz der Freiherren von Dalberg, dann u. a. in dem des Holzhändlers Graf d’Arlon, der Wachenheimer Familie Wolf und des Holzunternehmers Schenk. Ein 454,8 Hektar großer Teil der ingesamt 1500 Hektar großen Esthaler Gemarkungsfläche, durch den die folgende Wanderung führt, gehört heute der Allianzversicherungs-Holding. Achten wir auf die Fußspuren: hier ist Rotwild-Kerngebiet.
Ausgangspunkt sei eine zum Parkplatz umfunktionierte Schleife Altstraße an der Landesstraße 499 zum Elmsteiner Tal zwischen den zu Esthal gehörenden Siedlungen Sattelmühle und Erfenstein, der etwa 300 Meter westlich von Sattelmühle in einer Kurve liegt. Von diesem Parkplatz aus steigen wir ohne jegliche Markierungshilfe am Steinberg auf und gelangen, vorbei an den Esthaler Wahrzeichen Hinterer, Mittlerer und Vorderer Gleisberg in leichtem Abstieg zum fünf Kilometer entfernten Zielort, wo es mehrere gute Einkehrmöglichkeiten gibt. Kurz vor den ersten Häusern sehen sie die Waldwiese und den Waldrand, den man Schäfers Gericht nennt; daneben ist die Waldparzelle Schäfers Grab. Hier hat im Februar 1739 ein Wanderschäfer einen Bub aus dem Dorf namens Hans Stalter umgebracht und verscharrt. Vater und Hund fanden die Leiche am gleichen Abend. Sie wurde dort bestattet, wo sich heute die Dorfkirch erhebt. Der Mörder wurde gefangen, verurteilt, enthauptet und an der Stätte seiner Untat begraben.
Der 6 km lange Rückweg ist über Schäfers Gericht hinaus noch zehn Minuten der gleiche. Dann aber, an der Verzweigung in der Senke zwischen dem Mittleren und Hinteren Gleisberg, halten wir uns mit der Lokalmarkierung 5 rechts, nach weiteren 400 Metern links. Der Wald an der Bergflanke ist streckenweise gelichtet und bietet Aussichtsmöglichkeiten. So gelangen wir hinüber zum Streckenabschnitt und zum Kreuzungspunkt am Dörrenpunkt, die wir vom Herweg schon kennen. Hier tauchen wir auf dem Völkel-Weg (Schild) rechts in den Douglasienwald ein, lassen jegliche Abzweigungen unberücksichtigt, gelangen so in weitem Bogen mit wiederum schönen Landschaftsbildern links hinunter ins Völkeltal und darin ziemlich steil hinunter zu unserem Auto.

Elmsteiner Tal - Wo einst der Breitensteiner jagte
Wandervorschlag von Werner F. Dexheimer

Parkplatz: Ruine Breitenstein-Breitenbachtal-Wolfsschluchthütte-Kleine Ehscheid-Ehscheid-Ruinie Breitenstein-Parkplatz
Streckenlänge: ca. 11 km
Höhenunterschied: ca. 180 m
Markierung: Naturpark-Rundwegemarkierung Nr. 4
Karte: 1:25 000 des Landesvermessungsamtes Rheinland-Pfalz mit Wanderwegen
Blatt: Lambrecht/Elmstein, 3. Auflage 1989
Einkehrmöglichkeiten: Wolfsschluchthütte des PWV Esthal (geöffnet Samstag nachmittags und Sonntag) und Forsthaus Breitenstein

Die Wanderung beginnt am Naturpark-Parkplatz “Ruine Breitenstein” im Elmsteiner Tal. An der Wegeinformationstafel orientieren wir uns an der Rundwegemarkierung Nr. 4, die uns über die gesamte Strecke leiten wird. Zunächst folgen wir dem schmalen Wanderpfad entlang des Breitenbachtals talaufwärts, vorbei an ausgemauerten, zum Teil verfallenen Bachufern, Klausen und Wehren, die vom ehemals hier stattgefundenen Triftbetrieb zeugen. In der “Generellen Beschreibung des Wirtschaftskomplexes Elmstein” aus dem Jahre 1852/53 wird der Speyerbach als neben dem Wellbach zweiter Hauptfloßkanal des Wirtschaft-Complexes Elmstein aufgeführt und daneben als Zubringbäche unter anderem der Breitenbach. Es heißt dort wörtlich: ... Der Speyerbach, welcher an seiner Quelle von der rechten Seite schon den eingerichteten Erlenbach, dann auf der Gränze des Complexes der Helmbach aufnimmt, dessen Anfang im Landauer Walde mit dem Jägerbache gesucht werden muß und im Verein mit dem Mieders- und Blattbächel alsdann den selben bildet, empfängt auf dessen linker Seite den Legelbach und dann auf der äußersten Gränze des Complexes den Breitenbach. Beide sind, soweit es thunlich ist eingerichtet....
Klausen wurden allenthalben angebracht, wo die Bäche noch nicht genug Wasser haben um von selbst floßbar zu seyn und dennoch durch künstliche Ansammlung und Spannung des Wassers, dessen Schnelligkeit und Tragekraft beim Ablassen gesteigert werden mußte, um die Hölzer weiterzutreiben.....
Am Klausen für den Breitenbach sind namentlich genannt: Die Breitensteiner Klause, die Rehklause, die Winterthaler Klause, die Geldbrunner Klause, die Bremenklause, die Dreibrunnenklause und in einem Seitentälchen die Runzelsklause. Auch wenn wir die genannten Einrichtungen heute im einzelnen nicht mehr finen, gibt ihre Aufzählung einen Eindruck von der wirtschaftlichen Bedeutung der Holztrift in diesem Raum, die bis zur Errichtung der Eisenbahn im Elmsteiner Tal, im Jahr 1909, neben der Holzfällerei, Haupterwerbszweig für die hier lebende Bevölkerung war und die Brennholzversorgung der “vor dem Wald” liegenden Städte und Gemeinden sicherte. Nach diesem nur bruchstückhaft angerissenen geschichtlichen Rückblick wenden wir uns wieder der Wanderung zu und erreichen als erste Möglichkeit zur Rast nach etwa 3,5 km die samstags und sonntags vom PWV Esthal bewirtschaftete Wolfsschluchthütte. Danach führt uns die bekannte Nr. 4 auf der anderen Seite des Breitenbachs weiter, ein Stück talabwärts zurück, bis ein Waldweg nach rechts abbiegt. Der Weg gabelt sich unmittelbar vor dem Talgrund. Wir folgen dem linken Teil, der uns, stetig ansteigend, in das schmal eingeschnittene Tal des kleinen Schwabenbachs führt. Nach hetwa 800 m, nach Passieren eines Hochsitzes führt die Markierung in spitzem Winkel nach rechts. Wir folgen ihr weiter durch in Alter und Zusammensetzung wechselnde, schattige Waldbestände, durch die so bezeichneten “Kleine Ehscheid”, bis wir an einem Pflanzgarten die Hochebene und den höchsten Punkt der Wanderung mit etwa 360 m über NN erreichen. Der weitere Weg führt uns ohne größere Höhenunterschiede durch die herrlichen Waldbestände der “Ehscheid” und anschließend stetig fallend ins Breitenbachtal zu unserem Ausgangspunkt zurück. Bevor wir diesen jedoch erreichen, lädt die nahe gelegene Burgruine Breitenstein, die namensgebend für die heutige Wanderung war, zu einem letzten Abstecher in die allgegenwärtige Geschichte ein. Erhalten und vor kurzen von der Denkmalpflegebehörde umfassend saniert, sind Teile der Schildmauer und eines Wohnbaus. Die Geschichte des Breitenstein im Laufe der Jahrhunderte liegt, wie im Buch “Burgen der Pfalz” der Pfälzischen Verlagsanstalt berichtet wird, weitgehend im Dunkel.... Weder ist die Erbauungszeit gesichert, noch die Zeit der Zerstörung. Auch weist die Besitzgeschichte des Felssennestes große Lücken auf. Die ersten Herren von Breitenstein waren möglicherweise mit den Herren von Lichtenstein oder den Rittern von der Kropsburg verwandt. Der erste namentliche Herr von Breitenstein, Ritter Burkhart, begegnet uns in Urkunden der Jahre 1257 und 1262. Er war wohl ein Lehnsmann der Grafen von Leiningen, auf deren Gebiet die Burg erbau worden war und in deren Besitz sie später nachzuweisen ist. ..” Mit der Erkenntnis, daß vieles in unserer Heimatgeschichte ungeklärt ist, beschließen wir die heutige Wanderung und kehren zur Stärkung in das nahegelegene, bewirtschaftete Forsthaus Breitenstein ein.

Elmsteiner Tal - Ein Museum im Wald
Wandervorschlag von Karl Heinz Himmler

Am offiziellen Natur-Parkplatz unter dem Forsthaus Breitenstein (bewirtschaftet, Betriebsruhe montags und dienstags) werden 5 Rundwanderwege angeboten. Sie ist die erste Station des folgenden Rundwanderwegs. Wir stellen uns also eigenen sechsten den folgenden zusammen. Er führt uns zunächst mit der Lokalmarkierung fünf steil übers Breitenbach hinauf und nach 400 Meter mit dem ersten Fahrweg links rückläufig binnen zehn Minuten zur Burgruine Breitenstein. Von den vier Burgen im Tal ist sie die, von der man am wenigsten weiß. 1470 von kurpfälzischen Söldnern zerstört, hatte sie nur 200 Jahre Bestand. 1988/89 wurde sie mit einem Aufwand von einer runden Million Mark behutsam gesichert. Das Verfahren war ein Pilotprojekt zum Schutz der während der Dampf- und Druckluftbehandlung der Fugen mit Tonmehlschlämme abgedeckt gewesenen Steine. Die Anlage ist weit größer, als man es vom Tal aus vermutet. Sie besteht aus zwei Teilen, durch die hindurch mit leichtem Anstieg sich unser Weg jetzt ohne Markierung über dem Elmsteiner Tal fortsetzt. Nach zehn Minuten beschreibt der Hauptweg eine scharfe Rechtskurve, wir folgen dem “untergeordneten” Weg geradeaus und treffen nach weiteren 15 Minuten wieder auf unsere Fünf, der wir nach rechts folgen. So tauchen wir schon in die zweite tiefe Talmulde ein, von deren Existenz man unten auf der Landstraße nichts merkt.
Auf dem Plateau des Bergmassivs Ehscheid kommt, von Appenthal, die Markierung weiß-blauer Strich und ein paar Minuten später bei der offenen Schutzhütte die handgeschriebene gelbe Sieben aus dem Elmsteiner Wegenetz von links herauf; ihnen vertrauen wir uns bis kurz vor der Elmsteiner Annexe Schwabenbach an. Die Lokalmarkierung fünf hat uns kurz vor der Hütte nach rechts verlassen (sie führt zum Parkplatz zürck). Unser Weg verläuft im Prinzip eben und durch artenreichen Hochwald. Bemerkenswert sind die mächtigen, über 80jährigen Douglasien aus der ersten Generation dieses aus Nordamerika nach Deutschland verpflanzten schnellwüchsigen Nadelbaums. Leider haben die Orkanstürme im Januar und Februar 1990 einige davon gefällt.
Zehn Minuten nach der Hütte ist –“Breitenstein 4 km”- eine weitere Abkürzungsmöglichkeit. Aber dann würden wir eine forstliche Rarität verpassen, die Reste eines vor 250 Jahren begründeten Kiefernbestands, der in Wuchs, Alter und Geschlossenheit einmalig hierzulande sein dürfte, aber von den letzten Unwettern ebenfalls weiter dezimiert wurde. Er ist durch List und Vergeßlichkeit vom zuständigen Revierförster nach dem letzten Weltkrieg an den Reparationsforderungen der Franzosen vorbeigemogelt worden. Der anschließend folgende Pflanzgarten zeigt auf einem Hektar eine Kinderstube des Pfälzerwalds.
Dann, im Angesicht schon der Paul-Seelbach-Ruhe (die nach einem langjährigen Betreuer des nahen Ludwigshafener Naturfreundehauses Harzofen benannt ist) und der Siedlung Schwabenbach (keine Einkehrmöglichkeit) treffen wir – achten Sie auf den tückischen Unterschied!-auch auf die auf weißer Scheibe schwarz gedruckte Lokalmarkierung 5 und das Hinweisschild “Esthal über Wolfsschluchthütte”.
Hier also nach rechts, nach der Waldwiese die Talseite wechselnd und unten im Breitenbachtal 600 m nach links hält samstags und sonntags die aus einer Pumpstation hervorgegangene Sthaler PWV-Hütte Wolfsgrube für uns die Tür offen. Talauswärts, hüben oder drüben vom Breitenbach, ist es von der Hütte bis zum Parkplatz zurück eine dreiviertel Stunde Weg.

Copyright Gräber Verlag Edenkoben