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Schuhmuseum in Hauenstein

Museum für Schuhproduktion und Industriegeschichte, 76846 Hauenstein, Turnstraße 5

Info/Anmeldung: Tel. 06392/915-165
Fax:06392/915-172
(Auszeichnung beim europäischen Museumswettbewerb 1997)
Öffnungszeiten täglich 10 bis 16 Uhr, individuelle Führungen möglich
 

Einmal Industriezeitalter hin und zurück 1740 – heute
An originaler Produktionssätte in einer ehemaligen Schuhfabrik (erbaut 1928) wird der wechselhafte Werdegang der Schuhindustrie sinnlich erfahrbar gemacht. Auf drei zeitlich strukturierten Etagen mit 2 000 qm Ausstellungsfläche dreht sich alles um ein scheinbar einfaches Alltagsobjekt, den Schuh. Das Museum greift mit der Geschichte der Schuhproduktion das Ursprüngliche und Besondere der Region heraus. Es zeigt, welchen Einfluß die Schuhindustrie auf das Leben und den Alltag der Menschen in dieser Region hatte.
Die “Schuhfabrik” ermöglicht Zeitreisen zu Stationen im Leben von Arbeitern und Unternehmern. Über mehrere Generationen hinweg wandeln sich die Berufsbilder und Produktionsweisen.
Einen authentischen Eindruck von jener bewegten Industriegeschichte vermitteln die zahlreichen Ausstellungsobjekte, Dokumente und Fotos sowie ein erlebnis-orientiertes Museumskonzept.

Aufbruch ins Industriezeitalter 1740-1918
Eine funktionstüchtige Dampfmaschine im Eingangsbereich symbolisiert den Aufbruch einer ganzen Region ins Industriezeitalter. Ein Schusterladen berichtet von den Anfängen der handwerklichen Schuhherstellung. Ein entwurzelter Baumstamm beschreibt in sinnbildlicher Weise die Lebens- und Arbeitsbedingungen im bitterarmen Walddorf Hauenstein.
Der Schuh führt die Familien aus der Armut der vorindustriellen Zeit. Der “eiserne Schuhmacher”, die Steppmaschine, gehört bald zum festen Inventar in den Wohnküchen. Zwischen Kindern und Kochtöpfen steppen die Frauen für Pfennigsbeträge bis tief in die Nacht die Schäfte.
Einrichtungsgegenstände und Kleidungsstücke aus dem 19. Jahrhundert erinnern in der bescheidenen Museumswohnung an die einfachen Wohn- und Lebensverhältnisse der vorindustriellen Gesellschaft. 1886 beginnt eine neue Ära in der örtlichen Schuhproduktion:
Die Gebrüder Seibel setzen in ihrer mechanischen Werkstatt die erste Maschine ein, eine gebrauchte Sohlenstanze aus Pirmasens. Es geht aufwärts. Ein regelrechter Gründungsboom beschert dem Ort bis 1914 zwanzig Schuhfabriken mit über 1000 Beschäftigten. In der wieder errichteten Werkstatt machen die Besucherinnen und Besucher Bekanntschaft mit dem Arbeitsalltag der Schumacher im mechanisierten Betrieb.

Fabrikarbeit und Massenproduktion 1918-1945
Die Zeiten, in den ein Schuhmacher einen ganzen Schuh herstellte, waren in der Fabrik schon lange vorbei. Im zweiten Obergeschoß lernen die Museumsbesucher die industrielle Massenproduktion kennen.
Bearbeitungsschritte in genau festgelegter Reihenfolge staffeln den Produktionsprozeß. Aber auch in dem nachgebauten Fabrikbüro galten die Maximen: Besser, schneller, wirtschaftlicher. Der ausländische Konkurrenzdruck und eine allgemeine Belebung des modischen Bewußtseins lösen Modernisierungszwänge aus. Entscheidende technische Neuerungen ermöglichen die massenhafte Produktion preiswerter und modischer Fabrikware. Dicht an dicht stehen in der Fabrikwelt der zwanziger Jahre die Maschinen in den verschiedenen Abteilungen. Die Arbeitsteilung in Modellieren, Zuschneiden, Vorrichten, Steppen, Stanzen, Zwicken, Montieren, Ausputzen und Fertigmachen wird im Museum ersichtlich. Installiert wurde auch das typische Transmissionssystem. Es sorgte einst für die Kraftübertragung von der Dampfmaschine zum Maschinenarbeitsplatz. Auf Knopfdruck setzen sich die Maschinen in Bewegung. Im optischen und akustischen Zusammenspiel mit der klassischen Fabrikeinrichtung wird der Lärm, die Enge und die schlechte Luft in dieser Arbeitswelt vergangener Tage lebendig.
Die dreißiger Jahre bringen dann die nationalsozialistische “Betriebsgemein-schaft”, Kriegsproduktion und Zwangsarbeit mit sich. Diese Themen werden im Museum anschaulich berücksichtigt.

Vom Wirtschaftswunder in die Strukturkrise 1945 bis heute
Die entbehrungsreiche Nachkriegszeit rückt im ersten Obergeschoß ins Blickfeld. Der Erfindungsreichtum in der Schuhherstellung kennt keine Grenzen. In den Vitrinen dokumentieren Schuhmodelle aus der Region die Notlagen auf dem Versorgungssektor. Als Ersatzstoffe dienten Reifengummi, Feuerwehrschläuche, Holzsohlen und Papierfutter. Lederschuhe sind wertvolle Tauschobjekte auf dem Schwarzmarkt.
Manches Care-Paket wechselt für dringend benötigte Fußbekleicung seinen Besitzer. Die Ära Adenauer bringt den Aufschwung.
Die wiedererweckte Lust auf Mode, Musik und Freizeit kurbelt die Nachfrage nach Schuhen an. Dies belegt ein alter Werbefilm der Schuhindustrie, der im Schuhsalon der fünfziger Jahre über den Videobildschirm gezeigt wird. Besondere Ausstellungsobjekte in stilechten Museumsarrangements mit Nierentisch, Trichterlampen, Plattenspieler und Warenhauskatalog sind die zertanzten Schuhe der deutschen Unterhaltungssgrößen Cornelia Froboess und Peter Krauss. Auch andere Prominente haben dem Museum liebgewonnene Erinnerungsstücke anvertraut. Die Blütezeit der deutschen Schuhindustrie ist Mitte der sechziger Jahre vorbei. Der Importanteil ausländischer Schuhe steigt von Jahr zu Jahr bedrohlich an. Auch mit weiterer Automation und Modernisierung, die im Museum dargestellt werden, ist die Strukturkrise nicht aufzuhalten. Heute muß die Region neue Wege gehen.