Wandern Neuleiningen

Neuleiningens Schwester Burg Battenberg
Wandervorschlag von Karl Heinz Himmler
Streckenl√§nge: 7,5 km (durchg√§ngiger Markierungsverlauf ‚Äě3“ und Abstecher zur Burg)
Steigung ca. 150 m
Karten-Empfehlung: Topographische Karte 1:25000 Gr√ľnstadt
Einkehrmöglichkeit: Burgschenke Battenberg (mittwochs bis freitags ab 16, samstags, sonn- und feiertags ab 12 Uhr)

Wer wie wir, dem wei√üen P auf blauem Grund folgend, 500 m n√∂rdlich von Bobenheim die Deutsche Weinstrasse verl√§sst und seinen Wagen vor dem Wasserwerk auf dem Parkplatz ‚ÄěEingang Krumbachtal“ abstellt und gegen den Uhrzeigersinn, also zun√§chst nach Norden die Lokalmarkierung 3 aufnimmt, steigt zun√§chst auf Gras einem Wingert entlang leicht auf, bewegt sich ein St√ľck weit auf schmaler Rampe, sieht sich links bald im Geleit von Kirschb√§umen, quert einen Weg, dann die nach Battenberg hinauf f√ľhrende Stra√üe, erkennt im leichten Abstieg rechts voraus die Bauten der GE-CHEM Dr. Spiess GmbH. Links oben erstmals das malerische Wehrdorf Neuleiningen.
Dieses Ansichtskartenbild vor Augen treffen wir auf eine Wegekreuzung mit Sitzbank. Bis hierher waren wir eine Viertelstunde lang auf dem Wanderweg Deutsche Weinstrasse. Jetzt weist uns die 3 nach links bergauf in den Laubwald. Es ist Naturschutzgebiet, achten wir also auch auf die Bodenflora!. Nach einem Hohlweg und einer weiteren Viertelstunde flacht der Anstieg ab. Rechts durchs Ge√§st fesselt Neuleiningen den Blick. Grenzsteine aus dem Jahr 1777 begleiten uns. Ihr Signum BB steht f√ľr Battenberg. An jeder Gabelung und Abzweigung ist Verlass auf unsere 3, auch wo sich die Beschilderung des Drei-Burgen-Wanderwegs dazu gesellt. Rechts vom Weg stehen jetzt L√§rchen, von dr√ľben schwingt die Monotonie der Autobahn, der historische Ortskern von Neuleiningen ist vom Neubaugebiet abgel√∂st, zwei Growiane drehen ihre Fl√ľgel, steigt der Donnersberg auf. Allm√§hlich streuen sich Kiefern in den Waldbestand und nehmen √úberhand. Hier ist wieder eine Gabelung, f√ľr uns gilt mit der 3 (und dem Hufeisensymbol des Reitwegs): links schr√§g, wieder leicht ansteigend. Die Gewanne Pickelhaube ist unser n√§chstes Zwischenziel. Einen aufragenden Fels oder Turm, wie der Name vermuten lie√üe, gibt es auf jener Erhebung nicht, wohl aber , von weitem zu sehen, das zinnoberrote Blechdach der Ferngasleitung, dem unser Weg entgegenstrebt.
Dort √∂ffnet sich links die Landschaft. Unmittelbar vor der Gasleitungsmarke knickt unser Tourenverlauf in die sich anschlie√üende uralte Rodungsinsel ab. Es gibt sie, wie Bodenfunde bezeugen, schon seit vorgeschichtlicher Zeit. Der relativ fruchtbare Verwitterungsboden des oberen Rotliegenden wird auch heute noch landwirtschaftlich genutzt. Uns √∂ffnen sich in der n√§chsten Viertelstunde nach Osten wundersch√∂ne Eindr√ľcke: Allm√§hlich steigen die blauen Berge des Odenwalds auf, dann die hellen Tupfer der davor liegenden St√§dte und D√∂rfer, rechts der Funkturm auf dem Weilerskopf, halbrechts das Ludwigshafener Revier, links Hecken und V√∂gel, dann ein Blick wieder auf den Donnersberg zur√ľck, voraus hochgestellte Findlinge gelblichen Gesteins. Am ‚ÄěKautzeneck“ beginnt der Asphalt. Links ein Parkplatz und ein paar Schritte abseits der 3, eine Informationstafel mit den Wanderwegen Leininger Land. Davor senkt sich unser Tourenverlauf am Stra√üenschild ‚ÄěAuf der Boll“ ins Dorf ab. Wir durchschreiten es ganz, vor einem steinernen Kreuz macht der Stra√üenverlauf eine Rechtskehre nach unten. Unmittelbar vor dem Ortsschild ist f√ľr uns- ob Lust auf Einkehr oder nicht- der Abstecher zur Burg Battenberg, 200 m eben nach links Pflicht. Die Umwallung ist wieder hergerichtet, von der Burg keine Spur. Ihre Steine wurden vor 200 Jahren zum Bau eines Wasserschlosses im nahen Kirchheim gebraucht. Aber es gibt die zur Burgschenke ausgebaute ehemalige Remise noch und, aus seiner letzten Nutzungsphase, eine Aussichtsterrasse. Dort und in der Speisekarte sind geschichtliche Daten nachzulesen einschlie√ülich der Bemerkung, dass 1794 Bl√ľchers Husaren hier oben eine Schlacht geschlagen haben.
Der Abstieg zum Parkplatz beginnt 30 m nach dem Ortsschild auf der sich schnell unter den Verlauf der Kreisstrasse absenkenden ‚ÄěAlten Strasse“ und dauert ab der Burg 25 Minuten. Wo Asphalt und Bebauung enden und links oben ein T√ľrmchen der Burgfassungsmauer des Blickfeld begrenzt, f√§llt darunter ein ockerfarbener Streifen auf. Es sind die Blitzr√∂hren. Die Bezeichnung ist falsch wie man inzwischen wei√ü. Die von der Kreisstrasse aus zu sehenden br√§unlichen Steinr√∂hren sind nicht durch Blitzeinschlag entstanden, sondern stellen Brauneisenanreicherungen dar, die durch das Eindringen w√§ssriger L√∂sungen in das hier anstehende gelbliche Sediment und Konglomerat eines Meeresk√ľstenstrands aus dem Erdzeitalter Terti√§r entstanden sind. Bald nach den Blitzr√∂hren knickt ein Pfad rechts ab (Markierungshilfe blau-wei√ü). Er f√ľhrt uns an einem Bruch vorbei, in dem noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts das ockerfarbene Material als Farberde abgebaut worden ist, steil zum Ausgangspunkt zur√ľck.

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